Traditionelles Handwerk- eine wichtige Einkommensquelle indigener Frauen in Guatemala

Indigene_Frau_Handarbeit_Maismänner

Zusammenfassung:

• Guatemala ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas und hat den zweithöchsten Anteil an indigener Bevölkerung (41%)
• Die indigene Bevölkerung ist überproportional hart von Armut betroffen. Das zeigen Berichte der Vereinten Nationen (UNDP)
• Indigene Frauen sind traditionell Alleinverantwortliche für den Haushalt und die Kinder, während die Männer vor allem in der Landwirtschaft und anderen informellen Sektoren arbeiten
• Das kunstvolle, traditionelle Handwerk von Textilien und Kleidung (artesanía) ist eine der wenigen Tätigkeiten, die indigenen Frauen ein Einkommen von Zuhause aus ermöglicht.

 

Mit 41% indigener Bevölkerung ist Guatemala das Land mit dem zweithöchsten Anteil indigener Bevölkerung in Lateinamerika (nach Bolivien mit 62%).
Gleichzeitig ist die indigene Bevölkerung deutlich häufiger von Armut betroffen als die nicht-indigene Bevölkerung Guatemalas. 80% der indigenen Bevölkerung ist demnach von Armut betroffen, gegenüber 50% bei der nicht-indigenen Bevölkerung. Dies zeigt die Erhebung des Multidimensional Poverty Peer Network, welches den MPI zur Einschätzung der Armut einer Bevölkerung/Gruppierung heranzieht.


Der MPI (Multidimensional Poverty Index) wurde vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) entwickelt. Der Indikator berechnet sich aus einer Kombination der Dimensionen Gesundheit, Lebensstandards und Bildung.

Ethnische Herkunft indigen nicht indigen
Anteil an Bevölkerung 41% 59%
IPM 0.408  0.231
Häufigkeit 80,0% 50,1%
Intensität 51,0% 46,6%
Quelle: mppn.org


Einer der Hauptgründe für die systematische Armut ist die Art der Beschäftigung, der die indigene Bevölkerung nachgeht. So arbeiten ca. 80% der indigenen Bevölkerung im informellen Sektor.

Mit informellem Sektor ist gemeint:
• Die Arbeit ist nicht reguliert, d.h. meistens gibt es weder einen Arbeitsvertrag noch damit verbundene Arbeitnehmerrechte wie z.B. gesetzliche Urlaubstage, Ruhetage, Kündigungsfrist.
• der Lohn wird meistens in bar ausgezahlt, auch weil die meisten Indigenen keinen Zugang zum Bankensystem haben. Dadurch kann die wirtschaftliche Leistung des informellen Sektors nur geschätzt werden
• Es besteht keine Mitgliedschaft mit der ISGG, dem guatemaltekischen Institut der Sozialversicherung.


Quelle: www.ine.gob.gt


Zu den klassischen Berufen im informellen Sektor zählen: Landwirtschaft, Baugewerbe, herstellende Industrie, Handel und Dienstleistungen. Die meisten sind körperlich anspruchsvolle Berufe, die unregelmäßige Arbeitszeiten und oft auch Reisebereitschaft voraussetzen. Für indigene Frauen, welche auf ihre Kinder aufpassen müssen und die für den Haushalt verantwortlich sind, ist das in den meisten Fällen nicht umsetzbar.


Eine der wenigen Beschäftigungen, bei denen indigene Frauen nicht benachteiligt sind, ist das traditionelle Handwerk, auf Spanisch „artesanía“. Seit Jahrhunderten stellen indigene Frauen ihre Kleidung komplett selbst her. Sie färben, schneidern, nähen und weben, meist in farbenfrohen Kombinationen. Aus dieser Tradition ist eine der wichtigsten Einkommensquellen für indigene Frauen entstanden. Eine Art der Beschäftigung, die es ihnen ermöglicht, im Dorf in der Nähe von Zuhause zu arbeiten, oft auch in Begleitung ihrer Kinder, zu normalen Arbeitszeiten.

 

Die traditionellen Muster werden heutzutage in Kissen, Decken, Kleidern, Geldbörsen, Taschen und eben auch Gürteln von Hand eingearbeitet und im lokalen Einzelhandel verkauft. Außerhalb von Guatemala und dem Süden Mexikos (v.a. Chiapas) ist dieses Handwerk noch kaum bekannt.

Maismänner will das ändern und bringt diese Produkte nach Deutschland. Durch den Verkauf unterstützen wir eine der wichtigsten Einkommensquellen indigener Frauen.